Transparenz als Kurzschluss der Kommunikation?

Gepostet von am Okt 1, 2011 in Blog, News, Talk | Kommentare deaktiviert

Transparenz als Kurzschluss der Kommunikation?

Seit der letzten grossen Datenveröffentlichung von Wikileaks ist das Thema endgültig auf einen der vorderen Plätze unserer Agenda gerückt: Transparenz. Mit den Datenleaks der Pattform von Julian Assange sind hunderttausende Botschaftsdepeschen öffentlich geworden, die nie zur allgemeinen Veröffentlichung bestimmt waren. Manche davon waren mit persönlichen Einschätzungen zu politischen Führungsfiguren Futter für die Boulevardmedien, andere haben beigetragen zur Aufklärung über politische Missstände und rasante Ungleichverteilungen in Ländern wie Tunesien und Ägypten und damit auch im arabischen Frühling eine Rolle gespielt.

Transparenz kann folglich zu politischem Wandel und zur Demokratisierung beitragen. Aber ist sie als neues Paradigma in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft immer von Vorteil? “What WikiLeaks threatens is the formal functioning of power.” So hat es Slavoj Zizek in Harper’s Magazine (4/2011) beschrieben. Möglicherweise müssen wir die Forderung nach allumfassender Transparenz sorgsam abwägen – vor dem Hintergrund komplexer politischer Entscheidungsprozesse und Sicherheitsfragen, vor dem Hintergrund menschlicher Entscheidungspsychologie und Informationsökonomie oder auch vor dem Hintergrund der Rolle des Geheimnisses, das unserer Gesellschaft den Umgang mit dem Unbenannten möglich macht.